„Was für ein Angebot: Kosten von „gerade einmal“ 1188,00€ jährlich. Vertragslaufzeit „nur“ 2 Jahre. Leistung? Geht gegen Null! Nutzen? Geht gegen Null! Betrug? Aus unserer Sicht auf jeden Fall!“

Auch auf die Gefahr hin, dass mich jetzt wohl einige unseriöse Unternehmen hassen werden, möchte ich diese Abzocke einfach mal ansprechen und meinen Teil dazu beitragen, dass hoffentlich weniger Unternehmen auf üble Angebote von unseriösen Branchenverzeichnissen hereinfallen. Diese Angebote bewirken nämlich außer hohen Kosten rein gar nichts. Sorry, aber es kann einfach nicht sein, dass mittelständische Unternehmen auf Grund von Unwissenheit derart abgezockt werden, nur weil Sie nicht so online affin sind! Also worum geht‘s?

Abzocke durch online Branchenverzeichnisse

Es geht um Branchenverzeichnisse, die mit psychologischen Tricks, der Unwissenheit von mittelständischen Unternehmern und horrenden Forderungen Unsummen verdienen. Ich werde aus aktuellem Anlass hier insbesondere auf das „grandiose“ Branchenverzeichnis meinbranchenverzeichnis.de (Achtung: Betrug!) der Firma Hamann Medien GmbH eingehen.

Warum? Naja, auch wir haben von besagtem Unternehmen ein Schreiben erhalten und was soll ich dazu sagen, es ist einfach keine gute Idee einer Werbeagentur ein derartiges Angebot zu schicken. Denn wir wissen, wo sich im Internet Werbeinvestitionen lohnen und welche Maßnahmen wirklich qualitativen Traffic bringen. Dieses Verzeichnis gehört auf jeden Fall nicht dazu und erst recht nicht für diesen Preis! Also, klären wir doch mal auf…

Das Anschreiben von meinbranchenverzeichnis.de

Als ich meine tägliche Büro Post geöffnet habe, sprang mir sofort dieser eine Brief ins Auge mit der nicht zu übersehenden Überschrift „Branchenverzeichnis“. Die Überschrift, auf gelben Grund mit dicker schwarzer Schrift und darunter das Zeichen der Deutschen Post mit dem Vermerk Infopost. Meine ersten Gedanken, als ich den oberen Teil des Briefes gesehen habe:

meinbranchenverzeichnis Briefkopf

Gelb und schwarz, klar das ist die Deutsche Post! Hmm, da müssen wohl die Firmendaten überprüft werden und… MOMENT MAL, STOP!!!

Ich wette mit euch, so oder so ähnlich denken mindestens 95% der Menschen, die diesen Brief das erste Mal zu Gesicht bekommen. Das ist auch ganz bewusst so gewollt. Die Firma Hamann Medien GmbH macht sich hierbei die Markenbekanntheit der Deutschen Post und deren Gelben Seiten zunutze. Die Betrüger erreicht somit, auf den Rücken dieser beiden Marken (die damit nichts zutun haben!), dass mit Sicherheit deutlich mehr Menschen auf diesen „Eintragungsantrag“ hereinfallen und unterzeichnet zurücksenden, als es ohne diese Methode der Fall wäre. Warum das so ist? Tja, herzlich willkommen in einem Teilbereich der Werbepsychologie und Markenbildung!

Kurze Randinfo hierzu: Ziel einer jeden großen Marke ist es, einen hohen Wiedererkennungswert zu besitzen bzw. aufzubauen. Hierfür investieren viele Firmen mit sog. Brand-Marketing einen Großteil Ihres Werbebudgets. Ziel ist es dabei, das ihr z.B. beim Anblick der Firmenfarben in Kombination mit einer bestimmten Schriftart sofort an das entsprechende Unternehmen denken müsst. Genauso verhält es sich im Übrigen auch mit dem Logo- und Verpackungsdesign.

Es ist also kein Zufall, dass Ihr beim Anblick des Eintragungsantrags vorerst zum Entschluss kommt, dass er von den Gelben Seiten kommen muss. So gelingt es meinbranchenverzeichnis.de leider den Vertrauensvorschuss, den Ihr alle den Gelben Seiten entgegenbringt, für Ihr übles Angebot auszunutzen.

Nebenbei wird es wohl auch seinen Grund haben, warum im Antrag explizit darauf hingewiesen wird, dass u.a. keine geschäftlichen Beziehungen zu den Gelben Seiten bestehen. Ein Schelm wer denkt, dass sich da jemand der Aufmachung bewusst war…

meinbranchenverzeichnis Beziehungen

Wow! 2 Jahre lang 1.188,00 Euro jährlich für „fast“ nichts!?

Na, da kommt doch Freude auf, oder? Fragt sich leider natürlich nur bei wem! Schlappe 99,00€ kostet es euch, um in diesem absolut „bekannten“ Branchenverzeichnis mit extrem „hohen“ Besucherzahlen eure Firma präsentieren zu dürfen!

Ein Branchenverzeichnis, das selbst nicht gefunden wird!

Der Eintrag in ein Branchenverzeichnis soll eurem Unternehmen in der Regel ja helfen besser von potentiellen Kunden innerhalb eurer Region gefunden zu werden. Wie viel Mehrwert steckt aber dann aber in einem Verzeichnis, dass selbst wenig bis gar nicht gefunden wird? Richtig, keiner!

meinbranchenverzeichnis Sichtbarkeit

Als ganz großer Zweifler könnte man jetzt vll. noch annehmen, dass dieses Branchenverzeichnis für Unternehmen ja andere Trafficquellen nutzen könnte oder einfach nur billig Besucher einkauft um den Schein zu waren. Aber nein, dem ist nicht so!

Wann Ihr die Eintragung in ein Branchenverzeichnis meiden solltet!

Branchenverzeichnisse im Internet sind per se nichts Schlechtes und die Eintragung in die richtigen Verzeichnisse kann eurem lokalen Unternehmen durchaus einen Vorteil verschaffen. Branchenverzeichnisse wie „meinbranchenverzeichnis.de“ sind allerdings nur Eines: Eine üble Abzocke!

Aber wie könnt Ihr erkennen ob es sich nun um ein Verzeichnis handelt, das eurer Firma zu Gute kommt oder euch nur haufenweise Geld kostet? Grundsätzlich ist der gesunde Menschenverstand wohl das beste Mittel, um nicht auf derartige Abzocken hereinzufallen. Darüber hinaus gibt es aber auch einige Anhaltspunkte die Ihr beachten könnt:

Keine Postsendungen

Grundsätzlich verschicken kostenlose Branchenverzeichnisse keine Briefe per Post, um euch mitzuteilen, dass Ihr ggf. euren Eintrag erneuern müsst. Der logische Hintergrund hierbei sind einfach die Kosten, die dabei anfallen. Wie sollen diese von einem kostenfreien Branchenverzeichnis getragen werden? Richtig, gar nicht!

Bei der Eintragung aufmerksam die AGBs lesen

Wer sich in ein Branchenverzeichnis einträgt sollte immer sehr aufmerksam die AGBs lesen und das ausgewählte „Paket“ prüfen. Auch durchaus seriöse Branchenverzeichnisse müssen Geld verdienen, um zu existieren. Daher werden oft mehrere verschiedenen Pakete angeboten, von denen eines kostenfrei und die weiteren kostenpflichtig sind. Achtet folglich immer darauf, dass ihr das richtige Paket ausgewählt habt und lest euch im Zweifel die AGBs des Verzeichnisses durch.

Nur seriöse Verzeichnisse verwenden

Im Zweifel solltet Ihr generell nur auf die größeren und etablierten Branchenverzeichnisse setzten, da ihr hier weniger Gefahr läuft an unseriöse Anbieter zu gelangen. Wenn man branchenspezifische Verzeichnisse mal außen vor lässt, bringen euch größere Verzeichnisse ohnehin mehr. Mehr Traffic auf dem Branchenverzeichnis bedeutet in der Regel eine höhere Auffindbarkeit eures Eintrages und somit bessere Chancen Neukunden zu akquirieren.

Eine Bitte an alle mittelständischen und regional tätigen Unternehmen: Verzichtet auf derartige Einträge in überteuerten Branchenverzeichnissen! Ihr könnt euer Werbebudget in deutlich sinnvollere Online-Marketing Maßnahmen stecken, indem ihr z.B. seriöse Werbeagenturen wie uns beauftragt! 😉

Welche unseriösen Branchenverzeichnisse kennt ihr?

Ich habe mich jetzt hier bewusst auf „Meinbranchenverzeichnis.de“ fokussiert, aber es gibt noch unzählige weitere Verzeichnisse, welche dieselbe bzw. ähnlichen Betrugsmaschen durchführen. Welche Verzeichnisse kennt Ihr? Schreibt es unten in die Kommentare und helft mit zu verhindern, dass weitere mittelständische Unternehmen auf diese üble Masche hereinfallen!